Verteidigung

Verteidigungsarten

Um sich gegen eine Vielzahl von Feinden zur Wehr zu setzen, haben Vogelspinnen unterschiedliche, höchst wirksame Verteidigungsstrategien entwickelt. Hierbei unterscheiden wir vom Giftbiss, Bombardieren bis hin zum Spritzen mit Kot.

Giftbiss

Wenn sich eine Vogelspinne bedroht oder in die Enge getrieben fühlt, flüchtet sie entweder sofort oder nimmt zunächst die sogenannte Verteidigungsstellung ein. Hierbei richtet sie ihren Vorderkörper um ca. 90° auf und spreizt die Chelizeren und Chelizerenklauen. Bei sehr starker Erregung können unter Umständen sogar Gifttropfen aus den Klauen austreten.
Einige Vogelspinnenarten besitzen die Fähigkeit Stridulationsgeräusche von beträchtlicher Lautstärke zu erzeugen.
In der Regel beißen Vogelspinnen noch nicht sofort zu, sondern schlagen mit den Vorderbeinen in Richtung des Angreifers. Sollte sich der Angreifer durch diese Drohgebärde jedoch nicht abschrecken lassen, wird es zum Giftbiss kommen.

Bombardieren

Eine ganz andere Strategie wird von amerikanischen Arten eingesetzt:
Bei Bedrohung heben sie ihren Abdomen in Richtung des Angreifers an und "bürsten" mit schnellen Bewegungen der Hinterbeine sogenannte "Brennhaare" ihrem Angreifer entgegen. Diese "Brennhaare", welche nur locker auf den Abdomen sitzen, verursachen bei Berührung mit der Haut oder den Schleimhäuten von Mund und Nase einen starken, unangenehmen Juck- und Brennreiz. Je nach Empfindlichkeit kann dieser Juck- und Brennreiz mehrere Stunden bis Tage anhalten (aus eigener Erfahrung kann ich einige Tagen bis 2 Wochen bestätigen). Besonders die Augen sowie Atemwege können hierbei stark in Mitleidenschaft gezogen werden. In Schwerwiegenden Fällen kann es hierbei zu Hautausschlägen und asthmaähnlichen Anfällen kommen.
Durch vermehrten Einsatz der Brennhaare entsteht auf dem Abdomen der Bombardierspinnen eine so genannte "Glatze". Diese Brennhaare werden jedoch bei der nächsten Häutung durch neue ersetzt.

Spritzen mit Kot

Diese Verteidigungsstrategie wird eher selten und nur von wenigen Vogelspinnen angewandt.
Bei Beeinträchtigung hebt die Spinne dem Angreifen ihren Hinterleib entgegen und schlägt ihn mit einem gezielten Kotstrahl in die Flucht.

Giftigkeit

Im Gegensatz zur allseits verbreiteten Meinung gibt es keine "gefährlichen" Vogelspinnen im Sinne einer Vergiftungsgefahr für Menschen. Das Gift von Vogelspinnen reicht lediglich zum Töten kleiner Wirbeltiere, ist jedoch gefährlicher als der Stich einer Biene oder Wespe und äußerst schmerhaft. Eine ausgewachsene Spinne der Art Theraphosa blondi z.B. besitzt Giftklauen mit einer Länge von ca. 25mm, ein Biss dringt dementsprechend tief und schmerzhaft ins Gewebe ein. Probleme können hierbei eigentlich nur bei stark allergisch regierenden Menschen auftreten und sogar einen lebensgefährlichen Schock auslösen. Daher sollte es als selbstverständlich gelten, daß Allergiker den Kontakt mit Vogelspinnen meiden sollten. Für den Menschen besteht eher die Gefahr einer Blutvergiftung durch Bakterien, die von den Beißwerkzeugen (Chelizeren) übertragen werden.

Wichtig: Bei einem Bissunfall ist die Wunde sofort zu desinfizieren und umgehend ein Arzt zu konsultieren.

Die "Lebensgefährlichen" Giftbisse werden immer wieder den Vogelspinnen zugeschrieben, gehen jedoch auf Kosten Verwandter Arten zurück. Zu diesen tödlichen Spinnenarten zählen die wohlbekannte Schwarze Witwe (Latrodectus mactans) oder auch die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), welche den Vogelspinnen zum Verwechseln ähnlich sieht aber zur Familie der Atracidae gehört. Die gefährlichste Giftspinne der Welt ist jedoch die Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria fera). Bei einem Biss injiziert sie eine beachtliche Menge von 8mg hochpotenten Gift, welches ca. 20fach tödlicher ist als das Gift der Schwarzen Witwe. Symptome sind neben starken Schmerzen und Atemnot der Verlust der Muskelkontrolle und kann im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führen.


Je nach Vogelspinnenart kann ein Giftbiss unterschiedliche Auswirkungen haben:

Bei Giftbissunfällen der Gattung Acanthoscurria, Phormictopus, Sericopelma, Selenocosmia, Poecilotheria, Chilobrachys, Haplopelma und Pterinochilus
  wird von mäßigen bis starken Schmerzen über einen Zeitraum von einigen Stunden bis zu einigen Tagen berichtet.
 
Giftbissunfällen amerikanischen Aphonopelma Arten
  verursachen nach Forscherangaben keine Schwellungen, sondern eine Verhärtung und Entzündung der Bisswunde sowie einen, mit 2 bis 3 Bienenstichen vergleichbaren Schmerz, welcher nach einigen Stunden wieder verschwindet.
 
Anders sieht es z.B. beim Giftbiss einer Poecilotheria fasciata aus:
  Hier wird von Schwellungen, Krämpfen sowie Bewegungseinschränkungen lokal der Bisswunde gelegener Gelenke und ziehenden Schmerzen in den Extremitäten berichtet. Diese Beschwerden können bis zu einer Woche anhalten.

Zusammensetzung des Giftes

Vogelspinnengift setzt sich aus vier verschiedenen Proteinfraktionen, Glutaminsäure und Gamma Aminobuttersäure zusammen. Größere Vogelspinnenarten geben hiervon bis zu 8,9 mg pro Biss ab. Intensive Forschungen haben ergeben das Vogelspinnen für Warmblüter mit einem Körpergewicht von mehr als 500 Gramm als nicht lebensbedrohlich einzustufen sind.
Bei Kaltblütern wiederum sieht das ganz anders aus:
0,2mg Gift einer Grammostola actaeon tötet eine Giftschlange der Gattung Bothrops atrox innerhalb weniger Stunden, 0,005 mg einen Frosch in 15 min, 0,3 mg eine andere Vogelspinne innerhalb von Sekunden.