Lebenszyklus

Vom Schlupf bis zum Tod

Der Lebenszyklus einer Vogelspinne stellt sich bei näherer Betrachtung als sehr kompliziert dar. Aus dem Kokon mit ca. 200 (Grammostola mollicoma, Lasidora klugii) bis ca. 800 (Pamphobeteus- und Acanthoscurria-Arten) Eiern schlüpfen nach etwa vier bis sechs Wochen die jungen Spiderlinge und befreien sich dabei mit Hilfe ihres Eizahn aus den kleinen Eiern. Beim Schlupf sind die kleinen Spiderlinge noch farblos, schälen sich aber bereits beim Schlüpfen aus ihrer Embryonalhaut und haben somit bereits ihre erste Häutung hinter sich gebracht. Die Häutung ist für die jungen Spinnen so ziemlich das wichtigste, denn bereits in ihrem ersten Jahr müssen sie bis zu acht Häutungen über sich ergehen lassen. Selbst in ihrem zweitem Lebensjahr stehen nochmals bis zu fünf Häutungen an. Erst nach diesen sogenannten Junghäutungen erreichen Vogelspinnen ihrer Geschlechtsreife.
In den ersten Tagen ernähren sich die jungen Spinnen noch von ihrem prall gefüllten Eidottern. Je nach Vogelspinnenart verbleiben die Jungtiere noch bis zu sechs Wochen in ihrem Eikokon, wo sie sich noch weiterentwickeln und letztendlich eine dunklere Färbung bekommen. Die Jungspinnen flechten in der Umgebung ihres Kokon ein dichtes fast undurchdringliches Gespinnst in denen die nächsten Häutungen stattfinden. Bei den kleinen Spinnen sind anstelle der Augen lediglich zwei dunkle Flecken unter der Haut erkennbar. Am Abdomen sind schon die einzelnen Glieder der Spinnwarzen vorhanden. Die Chelizeren (Beißwerkzeuge) bestehen noch aus drei Gliedern, die alle mit kleinen schwarzen Zähnchen besetzt sind. Die vordersten sind die schon erwähnten Eizähne. In diesem Entwicklungsstadium sind noch keine Giftklauen erkennbar, auch die Krallen an den Beinen fehlen noch, diese werden in den nächsten 17 bis 40 Tagen ausgebildet. Während dieser Zeit bilden sich die Augen vollständig aus, zuerst die beiden vorderen Mittelaugen, gefolgt von den restlichen sechs. Nach einer kleinen Ruhepause von ca. ein bis zwei Tagen erfolgt die nächste Häutung, aus der die "fast fertigen" Jungspinnen hervorgehen. In dieser Phase fehlen allerdings noch Thoraxgrube, Giftklauen- und Geschlechtsöffnung sowie einige Sinnesorgane bzw. Sinneshaare an den Beinen.
Jungspinnen zählen schon zu Kannibalen und fressen die kleineren Geschwister oder solche die noch vor der dritten Häutung stehen einfach auf. Daher sollten sie, wenn sie in Betracht ziehen ihre Vogelspinnen zu züchten, jetzt schon eingreifen und die Spiderlinge trennen. Hierbei haben sich kleine Filmdosen zur Aufzucht von Spiderlingen in der Terraristik bewährt. In diesen kleinen Behältnissen können die Jungspinnen ohne Probleme beobachtet und aufgezogen werden.

Geschlechtsreife Weibchen wechseln in der Regel nur einmal jährlich ihre Haut und im Alter von etwa zehn Jahren verzögert sich die Häutung immer mehr, so daß nur noch ca. alle zwei Jahre eine Häutung stattfindet. Ab dem vierzehnten Lebensjahr häuten sie sich oft gar nicht mehr. Bereits ab dem achten Lebensjahr werden Vogelspinnen ruhiger, selbst die aggressiveren Arten lassen sich nun leichter anfassen. Ab dem ca. zehnten Lebensjahr werden die ersten Anzeichen des Altwerdens sichtbar:

  Die Körperpflege wird vernachlässigt
  Die Brennhaare des Abdomens werden bei der Häutung nicht mehr ersetzt, so das eine bleibende "Glatze" entsteht.
  Um den After bildet sich ein Bezirk aus Ausscheidungsrückständen mit weißlicher Färbung worauf sich oft Pilze ansiedeln die sich von dort aus bis zu den Spinnwarzen ausdehnen. Die Spinntätigkeit wird nach und nach eingestellt, einige Spinnen wirken oft träge, andere dagegen unruhig.

Eines Tages wird jedoch das Unvermeidliche kommen. Die Vogelspinne bleibt zuerst mit lang ausgestreckten Beinen auf dem "Bauch" liegen und zieht dann ihre Beine unter ihren Körper. Zeigt eine Vogelspinne beim "Anpusten" keinerlei Bewegung mehr können sie davon ausgehen das die Spinne verstorben ist.