Anatomie
Arthropoden besitzen kein inneres Skelett wie z.B. Säugetiere, Fische oder Vögel. Stattdessen haben Vogelspinnen eine äußere Skeletthülle aus Chitin, welche eine beachtliche Stabilität besitzt. Der Körper der Vogelspinne besteht aus zwei Körperabschnitten. Dem Vorderkörper (Cephalothorax) und dem Hinterleib (Abdomen).
Obwohl Vogelspinnen in ihrer Art eher träge und gemächlich wirken sollte man sich hierdurch nicht täuschen lassen. Mit ihren acht Laufbeinen können sie sich blitzschnell fortbewegen und einige Arten, wie z.B. Psalmopoeus cambridgei, können beachtliche Sprünge von bis zu 10cm weite vollziehen.
Der Vorderkörper (Cephalothorax)
Die Chitinhülle, welche den Vorderkörper schützt, stellt zwar einen äußerst wirksamen Schutz dar, ist allerdings so hart das sie nicht mit der Spinne mitwachsen kann. Daher müssen Vogelspinnen eine Reihe von Häutungen durchlaufen bis sie ihre endgültige Größe erreicht haben.
Der Vorderleib ist sowohl von oben wie auch von unten von einer Chitinplatte umgeben, um den inneren Organen einen sicheren Schutz zu bieten. In der Fachsprache spricht man hierbei von Carapax (oben) und Sternum (unten).
Auf der Unterseite des Vorderleibs sind die äußeren Verdauungsorgane angeordnet. Ebenfalls befindet sich hier der Saugmagen, das zentrale Nervensystem und Teile des Verdauungstraktes. Das Herz ist schlauchähnlich und das Blut fließt durch die Arterien und Venen in einem sogenannten offenen System. Die Muskeln sind an der Innenseite des Skeletts befestigt welches der Skeletthülle eine gewisse Flexibilität verschafft.
Am Cephalothorax befinden sich die acht Augen (auf dem sogenannten Augenhügel) und die Beißwerkzeuge (Chelizeren). Die meisten Arten besitzen keine gut entwickelte Sehmöglichkeit und können daher nur Unterschiede zwischen hell und dunkel wahrnehmen. Die beiden vorderen Mittelaugen sind als sogenannte Tagaugen ausgebildet. Ihre Blickrichtung geht nach oben. Die beiden hinteren Mittelaugen decken den hinteren bis oberen Bereich ab. Die übrigen Augen sind als Nachtaugen ausgebildet und decken die seitlichen Bereiche ab.
Gliedmaßen
Beißwerkzeuge (Chelizeren)
Die Chelizeren, in denen sich die Giftdrüsen befinden, lassen sich unabhängig voneinander bewegen. Beim Biss der Vogelspinne wird nicht nur Gift sondern ebenfalls Verdauungsenzyme in das Beutetier injiziert. Hierdurch wird das Beutetier nach und nach zersetzt und der entstehende Nahrungsbrei in den Magen gesaugt.
Stridulation
Eine Besonderheit von vielen Vogelspinnen liegt in der Fähigkeit Stridulationsgeräusche von beträchtlicher Lautstärke zu erzeugen. Diese Laute werden bei Beunruhigung bzw. Reizung erzeugt. Die Vogelspinne nimmt hierbei ihre Verteidigungsstellung ein, indem sie ihren Vorderkörper aufrichtet und sich auf und ab wiegt. Die Chelizeren sind dabei weit geöffnet.
Taster (Maxillipalpen)
Die Taster sehen wie schmale Beine aus, werden aber in erster Linie als Hilfswerkzeuge beim Fressen benutzt und sind außerdem hervorragende Sensoren. Vogelspinnen setzen die Maxillipalpen ebenfalls zum Transport von Nestmaterial sowie beim Transport von Sperma vom Männchen zum Weibchen ein. Bei geschlechtsreifen Männchen befindet sich, jeweils an den vorderen Gliedern der Taster, das Geschlechtsorgan (Bulbus).
Laufbeine
Nach den Tastern schließen sich an jeder Körperseite vier Laufbeine an. Auf ihnen befinden sich die unterschiedlichen Sinnesorgane. Vogelspinnen laufen im sogenannten "Diagonalrhytmus", bei dem immer jeweils zwei Beingruppen aktiv sind. Die Laufbeine bestehen aus 5 Gliedern. Aus den Tarsus, Metatarsus, Tibia, Patella und Femus.
Sinnesorgane
➱ Spaltensinnesorgane geben alle Informationen über die Bewegungen der Spinne an das zentrale Nervensystem weiter.
➱ Tasthaare registrieren sowohl Berührungsreize als auch Boden- und Luftschwingungen. Vogelspinnen können damit feinste Bewegungen in ihrer Umgebung wahrnehmen.
➱ Borsten dienen zur Messung des Blutdrucks, den die Spinnen zur Vorbereitung der Häutung erheblich erhöhen müssen.
Hafthaare
Die Beine und Taster sind unterseits der Tarsen und Metatarsen mit besonderen Haaren ausgestattet. Jedes dieser Haare ist an seinen Enden mit mikroskopisch feinen Härchen aufgespaltet. Vogelspinnen berühren den Untergrund mit tausenden dieser "Endfüßchen", deren Haftwirkung es ihnen erlaubt glatte Flächen emporzulaufen.
Krallen
An jedem Bein sitzen vorn zwei Krallen, die sie wie Katzen einziehen und ausfahren können. Die Krallen erleichtern das Klettern an rauen Untergründen und werden ebenfalls zum Festhalten von Beutetieren verwendet.
Hinterleib (Opisthosoma)
Der Hinterleib ist durch ein "Stielchen" mit dem Vorderkörper verbunden, durch das Hauptschlagader, Darm, Nerven und Muskelansätze verlaufen. Wie der Vorderkörper ist auch der Hinterleib durch ein, jedoch wesentlich dünneren, Chitinpanzer geschützt.
Innere Organe
Im Hinterleib befinden sich die lebenswichtigen Organe wie Herz, Lungen, Geschlechtsorgane sowie die Spinndrüsen.
Spinnwarzen
Die Spinndrüsen befinden sich im unteren Teil des Abdomens, deren Ausführgänge auf den Außenflächen der 4 Spinnwarzen liegen (2 große und 2 kleine Spinnwarzen). Sie sondern ein in den Spinndrüsen hergestelltes Sekret ab, das an der Luft zu "Spinnseide" wird. Im Verhältnis zu ihrem mikroskopisch kleinen Durchmesser sind die Spinnfäden sehr stabil. Sie bestehen aus Wasserunlöslichen Eiweißstoffen (Proteinen). Ihre Festigkeit ist mit Kunstfaser vergleichbar und äußerst Dehnbar. Spinnen können die Dicke und Festigkeit der Spinnfäden bei der "Herstellung" selbst bestimmen. Aus dieser Seide weben die Vogelspinnen z.B. das Spermanetz, den Kokon und ihre Häutungsgewebe.
Brennhaare
Auf dem Hinterleib vieler amerikanischer Vogelspinnenarten finden sich zusätzlich sogenannte Brennhaare. Sie dienen der Verteidigung und können unangenehmen Juckreiz verursachen.
Detailfotos
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