Fortpflanzung

Geschlechtsbestimmung

Da Vogelspinnenweibchen eine weitaus höhere Lebenserwartung haben als Männchen, werden diese in der Terrienhaltung bevorzugt. Doch wie lassen sich Vogelspinnen unterscheiden?

Vogelspinnenweibchen

Adulte Spinnenweibchen sind in der Regel größer als Spinnenmännchen. Die Geschlechtsbestimmung bei Vogelspinnen ist eine schwierige Aufgabe und benötigt spezielle Kenntnisse und eine entsprechende Erfahrung. Das Geschlecht einer Spinne kann erst ab einem Alter von etwa vier bis sechs Monaten bestimmt werden. Der Körper der Vogelspinne wird in zwei Teile gegliedert (siehe Informationsteil Anatomie). Im Hinterleib befinden sich, neben den Buchlungen, den Spinndrüsen etc., die Öffnungen der Fortpflanzungsorgane. Diese Fortpflanzungsorgane bestehen bei den Weibchen aus zwei Eierstöcken sowie Röhren, durch welche die Eier über eine vergrößerte Tasche nach außen befördert werden. Vor dieser Tasche gehen zwei "Säcke" (Spermatheken) ab, in denen der männliche Samen gelagert wird. Die Spermathek und die Uterustasche sind mit der Oberhaut beschichtet welche ebenfalls bei jeder Häutung abgeworfen werden. Was wiederum bedeutet das jedes Vogelspinnenweibchen nach jeder Häutung wieder "jungfräulich" ist, da sie mit der alten Haut auch allen aufbewahrten Samen abwirft. Zwischen den vorderen Buchlungen befindet sich die Epigastralfurche und oberhalb dieser Furche sind die weiblichen Geschlechtsorgane angeordnet. Somit kann, mit vorhanden sein dieser Spermathek, zweifelhaft festgestellt werden, daß es sich hierbei um eine weibliche Spinne handelt.

Vogelspinnenmännchen

Adulte Spinnenmännchen haben unverkennbare äußere Geschlechtsmerkmale. Das erste Glied der Taster ist deutlich kürzer und vorne stumpfer als die entsprechenden Glieder der Laufbeine. An diesem ersten Glied befindet sich ein glänzender birnenförmiger Fortsatz, der sogenannte (Bulbus). Häufig haben geschlechtsreife Männchen an der Unterseite ihrer Vorderbeine (Tibia) hackenartige Fortsätze, welche bei der Paarung eingesetzt werden um das Weibchen emporzustemmen.

Fortpflanzung

Bau des Spermanetzes

Vogelspinnenmännchen beginnen wenige Wochen nach der Reifehäutung ein sogenanntes Spermanetz aufzubauen. Nach Fertigstellung diese hängemattenförmigen Netzes, kriecht das Männchen unter dieses und beginnt sein Sperma daran zu befestigen. Anschließend steigt das Männchen über dieses Netz und beginnt damit das Sperma mit den beiden Bulben aufzusaugen. Nach Aufnahme des Spermas reißt es das Spermanetz ab. Nach Abschluss dieses Vorganges, ist das Vogelspinnenmännchen in der Lage, bei der Paarung das Sperma in die Spermataschen des Weibchens abzulegen.

Paarung

Falls sie eine Paarung in Betracht ziehen, ist es äußerst wichtig das sie ein entsprechend großes Terrarium zur Verfügung stellen, damit der männlichen Vogelspinne die Möglichkeit geboten wird, vor dem Weibchen zu flüchten. Ein nicht paarungsbereites Vogelspinnenweibchen kann äußerst aggressiv reagieren. Daher ist es ratsam das sie gegebenenfalls dem unterlegenen Männchen zur Hilfe eilen können.

Nachdem das Weibchen seinen Sexualstoff verbreitet hat, beginnt das Männchen mit dem Körper zu zucken und mir den Vorderbeinen und Tastern auf den Boden zu trommeln. Das Weibchen nimmt diese Schwingungen mit ihren Sinnesorganen wahr und erwidert, bei Paarungsbereitschaft, diese ebenfalls mit Trommeln. Wenn beide Tiere diese Reaktion zeigen, ist dies ein gutes Zeichen für eine erfolgreiche Paarung.
Das Männchen beginnt nun das Weibchen abzutasten und mit den ersten Beinpaaren hochzustemmen. Das Männchen besitzt am ersten Beinpaar sogenannte Schienbeinhaken (Tibiaapophysen), in denen die Chelizeren (bei einigen Arten auch die Vorderbeine) des Weibchens verankert werden, um dieses auf eine gewisse Distanz zu halten. Anschließend versucht das Männchen seine beiden Bulben in die Epigastralfurche des Weibchens einzuhacken. Krümmt sich das Weibchen, so ist das Einführen des Bulbus geglückt. Das Sperma kann in den Spermatheken über Monate hinweg gespeichert werden, die Befruchtung geschieht erst bei einer Eiablage. Die Kopulation ist von Art zu Art unterschiedlich und kann von 30 Sekunden bis zu 30 Minuten dauern. Nach der Begattung lößt sich das Männchen und läuft vom Weibchen weg. Die meisten Paarungen enden friedlich und das Männchen kann sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Kokonbau

Im Anschluss der Paarung zieht sich das Weibchen wieder in seinen Unterschlupf zurück und entwickelt anschließend einen größeren Appetit und der Hinterkörper entwickelt sich wesentlich stärker. Nach einigen Wochen bzw. Monaten (abhängig von verschiedenen Faktoren wie: Art, Klimabedingungen und Ernährungszustand) stellt das Weibchen die Nahrungsaufnahme ein und beginnt mit dem Kokonbau.
Zuerst beginnt es den Eingang und auch den gesamten Unterschlupf einzuspinnen. Jetzt wird der Boden des Unterschlupfes mit einem mehrschichtigen Gespinnst ausgepolstert, wobei am Rand mehr Fäden versponnen werden als in der Mitte. Hierdurch entsteht ein schüsselförmiges Gewebe, von dem die Eier nicht herunterfallen können.

Eiablage

Nach Fertigstellung dieses schüsselförmigen Gebildes, lässt das Weibchen die Eier aus ihrer Geschlechtsöffnung auf das Gespinnst gleiten. Hierbei passieren die Eier die Samentaschen und werden dabei mit dem eingelagerten Sperma befruchtet. Um ein wegrollen der Eier zu verhindern, sind diese mit einer leicht gelblichen gallertartigen Masse umzogen. Die Eier werden in diesem Teppich nochmals umsponnen. Anschließend reißt das Weibchen das Gewebe der umgebenden Wänden ab, legt es auf die eingesponnenen Eier und verwebt es durch drehende Bewegungen zum fertigen Kugelförmigen Kokon.

Tarnung des Kokons

Einige Arten weben Erd-, Blatt- oder Holzstücke zur Tarnung in den Kokon ein. Weiblichen Bombardierspinnen weben zusätzlich Reizhaare in den Kokon ein, indem sie diese von ihrem Hinterleib auf den Kokon bürsten.

Brutpflege

Nach Fertigstellung des Kokons trägt das Weibchen ihn fortan meist schützend zwischen den Beißzangen, bis zum Schlupf der Jungspinnen. Während dieser Zeit reagiert es sehr gereizt auf Störungen und verteidigt den Kokon notfalls unter Einsatz ihres Lebens. Die Schlupfdauer der Jungspinnen kann, je nach Art, zwischen sechs bis zehn Wochen dauern. Nachdem die ca. 1 bis 5 mm großen Jungtiere (Prälarven) geschlüpft sind dauert es noch einige Zeit bis sie sich erneut häuten (zum sogenannten Larvenstadium). Ab jetzt sind sie in der Lage außerhalb des Kokons zu überleben. Dies ist der Zeitpunkt, an dem das Weibchen den Kokon aufreißt, um den jungen Spinnen den Ausschlupf zu erleichtern und an dem sie sich überlegen sollten die Jungspinnen zu trennen, um Kannibalismus zu unterbinden.